Stasis

Du hast dein Balek verpasst, du hast dein Balek verpasst. Das darf nicht sein, das darf nicht sein! Der Gesang der Priesterinnen wiederholte sich und wiederholte sich. Das war nervtötend. Es pochte in ihrem Kopf und dann zischte es. Was zischt da? Es hört sich an wie der Druckausgleich, wenn …

War es so weit? Ja, tatsächlich! Ein dumpfes ‚Plop‘ beendete das Zischen und verscheuchte das Traumgebilde. Nun war es still, gespenstisch still. Senga war wach und tauchte langsam ins Realbewusstsein auf.

Bleib liegen, ganz ruhig. Du musst die Aufwachphase der Poststasis abwarten. Die innere Stimme ihr treuer Begleiter von Geburt an. Sie funktionierte, das war ein gutes Zeichen. Nun galt es geduldig zu warten. Die Haube hatte sich geöffnet, aber erst beim dritten akustischen Signal durfte sie die Stasiskammer verlassen. Der Schlafsaal wurde lediglich von einem orangenen Dämmerlicht erhellt.

aus: „Die Rückkehr der Eloi“

Veröffentlicht von jeanp

„Ich schreibe, also bin ich." Mein Motto, René Descartes entlehnt, weist mir seit vielen Jahren den Weg. Selten vergeht ein Tag, an dem ich nichts geschrieben habe. Ein anderer Wegweiser sind die Träume. Mit ihnen habe ich jahrzehntelang „gearbeitet" - beruflich: therapeutisch wie im Bildungswesen. Was wir nächtens erleben, kommt tief aus unserer Seele. Das ist mein Thema. Meine Geschichten handeln davon. Ich blicke meinen Heldinnen und Helden in die Seele. Was erleben sie wirklich? Was geht in ihren Köpfen und in ihrer Seele vor? Was passiert mit ihnen, wenn sie sich verlieben und verlieren, sich verirren und finden? Ich freue mich darüber, dass meine Geschichten Anklang finden, und wenn sich jemand bei dem einen oder anderen, was er liest, „ertappt fühlt", leide ich mit ihm - oder freue mich ganz besonders. Denn die Projektionen unseres Unbewussten sind etwas verbindend Menschliches. Und die allerschönste unter ihnen ist doch ohne Zweifel die Liebe. Das ist mein anderes Thema.

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