Elo

Bevor sie die Speise- und Getränkereplikatoren aktivierte, die sich in der Mitte eines großen, runden Tisches befanden, an dem alle 12 Crewmitglieder zu den Mahlzeiten und Konferenzen zusammenkamen, fiel ihr Blick durch die die Kommandozentrale überspannende Meranglaskuppel auf den zunehmenden dreiviertelvollen Jupiter. Welch ein prachtvoller Anblick das war! Etwas Vergleichbares hatte ihr eigenes System nicht zu bieten. Ross 128, wie NANUK in der Menschensprache hieß, wurde lediglich von vier kleinen, mondlosen Planeten umkreist, darunter Elo, Ross 128 b, in der habitablen Zone.

Kein Wunder also, dass sich ihre Vorfahren vor vielen tausend Jahren neben den pragmatischen Gesichtspunkten für diesen Ort als Basis im SOL-System entschieden hatten, denn die Schönheit dieses Anblicks hatte dabei gewiss auch eine Rolle gespielt. Die Ästhetik war bei ihnen im Gegensatz zu den Menschen eine gleichwertige Wissenschaft. Ganymed war allerdings nicht nur aufgrund seiner Nähe zum Wurmloch ein ausgezeichneter Standort. Der größte Mond des SOL-Systems, ein Eismond, verfügte über eine hauchdünne Sauerstoffatmosphäre und man konnte relativ problemlos die tiefgelegenen Wasserschichten anbohren. Dazu war von ihrer Basis am Fuße eines Kraters schon vor langer Zeit eine entsprechende Vorrichtung gebaut worden.

aus: Die Rückkehr der Eloi

Veröffentlicht von jeanp

„Ich schreibe, also bin ich." Mein Motto, René Descartes entlehnt, weist mir seit vielen Jahren den Weg. Selten vergeht ein Tag, an dem ich nichts geschrieben habe. Ein anderer Wegweiser sind die Träume. Mit ihnen habe ich jahrzehntelang „gearbeitet" - beruflich: therapeutisch wie im Bildungswesen. Was wir nächtens erleben, kommt tief aus unserer Seele. Das ist mein Thema. Meine Geschichten handeln davon. Ich blicke meinen Heldinnen und Helden in die Seele. Was erleben sie wirklich? Was geht in ihren Köpfen und in ihrer Seele vor? Was passiert mit ihnen, wenn sie sich verlieben und verlieren, sich verirren und finden? Ich freue mich darüber, dass meine Geschichten Anklang finden, und wenn sich jemand bei dem einen oder anderen, was er liest, „ertappt fühlt", leide ich mit ihm - oder freue mich ganz besonders. Denn die Projektionen unseres Unbewussten sind etwas verbindend Menschliches. Und die allerschönste unter ihnen ist doch ohne Zweifel die Liebe. Das ist mein anderes Thema.

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